

Verfasst von: Anna Becker
Licensed Real Estate AdvisorDie montenegrinische Küche bleibt nicht wegen komplizierter Rezepte in Erinnerung, sondern wegen des Gefühls, das sie hinterlässt. Wegen des Duftes, der aus der Küche kommt, wegen des Tisches, um den sich alle ohne Eile versammeln, und wegen jenes Augenblicks, in dem man etwas Einfaches kostet und versteht, dass genau solche Aromen am längsten in Erinnerung bleiben.
Da ich mit hausgemachtem Essen aufgewachsen bin, habe ich immer geglaubt, dass man Montenegro am besten am Tisch kennenlernt. Nicht nur in Restaurants und auf Speisekarten, sondern bei Frühstücken zu Hause, Mittagessen mit Verwandten, kleinen Familientreffen und in Haushalten, in denen man empfangen wird, als gehöre man längst dazu.
An der Küste sind vor allem die Düfte von Olivenöl, Fisch, Knoblauch und Petersilie zu spüren, während die Bergregionen kräftigere, herzhaftere Aromen bewahren: Fleisch, Kartoffeln, Käse, Kajmak und Maismehl. Gerade diese Verbindung von Meer und Bergen macht die montenegrinische Küche so besonders.
Raštan gehört zu den bekanntesten traditionellen Gerichten Montenegros. Er wird aus Blattkohl zubereitet, meist mit geräuchertem oder gepökeltem Fleisch, und langsam gekocht, bis sich ein voller, kräftiger Geschmack entwickelt.
Für mich ist Raštan eines jener Gerichte, die sofort an Winter, ein Familienmittagessen und eine Küche erinnern, in der seit Stunden etwas leise vor sich hin köchelt. Es ist kein Gericht, das man überstürzen kann. Genau deshalb hat es diesen so echten, hausgemachten Geschmack.
Es ist schlicht, nahrhaft und trägt den unverwechselbaren Charakter der alten montenegrinischen Küche in sich.
Kačamak ist ein typisches Berggericht, sättigend und voller Geschmack. Es wird aus Kartoffeln, Maismehl, Käse und Kajmak zubereitet, und seine Zubereitung verlangt Geduld und eine geübte Hand.
Früher war es Alltagskost für die Menschen in den Bergregionen, weil es ihnen die Energie für harte Arbeit gab. Heute ist es eine echte Spezialität, die Touristen besonders in traditionellen Restaurants im Norden Montenegros gerne probieren.
Kačamak mag auf den ersten Blick einfach wirken, doch sobald er warm serviert wird, mit Käse und Kajmak, versteht man, warum er so lange auf unseren Tischen geblieben ist.
Für mich gehören Priganice zu den schönsten Geschmäckern der Kindheit und der häuslichen Küche. Sie sind nicht einfach nur frittiertes Gebäck. Sie sind der Duft des Morgens, ein Teller in der Mitte des Tisches und jene Frage, die man sich stellt: „Soll ich noch eine nehmen, oder sollte ich lieber aufhören?“
Am liebsten mag ich sie, wenn sie noch warm sind und hausgemachter Honig langsam darüber schmilzt. Ich erinnere mich an ein Frühstück im Haus meiner Eltern, an einen ganz gewöhnlichen Morgen, ohne besonderen Anlass. Auf dem Tisch standen Priganice, Honig, Käse und Kaffee. Ich setzte mich hin mit dem Plan, nur zwei oder drei zu essen, und stand schließlich satt, glücklich und vollkommen verzaubert von diesem einfachen Frühstück wieder auf.
Genau darin liegt ihre Schönheit. Priganice sind kein luxuriöses Gericht, doch sie besitzen eine Wärme, die man nicht überall bestellen kann. Sie sind gemacht für Familie, Gäste, Feiertage oder ganz gewöhnliche Morgen, die durch einen solchen Geschmack zu einer kostbaren Erinnerung werden.
Njeguši-Schinken und Käse nehmen in der montenegrinischen Küche einen besonderen Platz ein. Der Schinken wird auf traditionelle Weise getrocknet und geräuchert, mithilfe der Bergluft, die ihm sein unverwechselbares Aroma und seinen besonderen Geschmack verleiht.
Serviert mit hausgemachtem Käse, Brot und einem Glas Wein, sind die Spezialitäten aus Njeguši ein vollkommenes Beispiel für einen einfachen und zugleich reichen montenegrinischen Tisch. Es ist ein Geschmack, der vielen als eine der schönsten gastronomischen Erinnerungen an Montenegro im Gedächtnis bleibt.
Montenegro ist für hochwertigen Honig bekannt. Dank seiner unberührten Natur, der Bergwiesen, Wälder und mediterranen Kräuter besitzt der Honig ein reiches Aroma und einen vollen Geschmack.
Am besten genießt man ihn so, wie er in montenegrinischen Häusern oft serviert wird: mit warmen Priganice, Käse oder einem Stück frischem Brot. Genau dann spürt man, wie besonders einfache Aromen sein können.
Gutes Essen verlangt immer nach gutem Wein, und in Montenegro nimmt der Vranac einen besonderen Platz ein. Diese einheimische rote Rebsorte bringt kräftige, dunkle, aromatische Weine mit vollem Geschmack und ausgeprägtem Charakter hervor.
Vranac passt wunderbar zu traditionellen Gerichten und gilt als eines der bekanntesten Symbole des montenegrinischen Weinbaus.
Die montenegrinische Küche versucht nicht, kompliziert zu sein. Ihre Stärke liegt in hausgemachten Zutaten, alten Rezepten und ehrlichem Geschmack.
Für mich ist sie dann am schönsten, wenn sie am einfachsten ist: wenn langsam gegessen wird, wenn Essen mit anderen geteilt wird und wenn ein einziger Bissen einen an einen vertrauten, warmen und zutiefst heimischen Ort zurückführt.
Deshalb ist der beste Weg, Montenegro kennenzulernen, ganz einfach: Man setzt sich an den Tisch und kostet es.
Beliebte Artikel


